Allgemein, Bali
Kommentare 5

Bali – ein Nachtrag

Nach 16 Stunden Stop-Over in Bali, sitzen wir endlich im Flieger nach Singapur. Endlich raus aus der verpesteten Plastikhölle, dem australischen Surfermallorca. Nochmal hier her zu kommen war schlichtweg dumm. Bali ist weit weg davon ein Urlaubsparadies zu sein, das können wir nach 5 Wochen Neuseeland mit Sicherheit sagen. Warum ihr euch den Urlaub auf Bali erstmal sparen könnt, so lange hier nicht dramatische Veränderungen geschehen? Hier ein paar völlig subjektiv empfundene Punkte:

1. Die Einreise

Mit ausgefüllten Immigration und Declaration Zetteln geht es in die Visum-Schlange. 455.000 Rupien (35 USD) kostet das 30 Tage Visum für die meisten westlichen Länder. Ok, jedem Land seine eigenen Regeln, aber was mit diesen Gebühren finanziert wird oder wer davon profitiert ist meinem politisch ungebildeten Köpfchen schleierhaft. Je nach dem, wie viele Urlaubsbomber gerade auf dem Rollfeld angekommen sind, steht man hier zwischen 5 und 30 Minuten. Wer kein Bargeld dabei hat, muss zurück auf Los und kann nach 17 Tastenkombinationen hoffentlich die Rupien aus dem ATM ziehen. Wenn dieses bedruckte Papier für anderes Papier ausgetauscht wurde, geht’s weiter zur Einreise. Die Schlange hier ist länger und löst sich langsamer auf als die erste. Schneller als 45 min kamen wir hier nicht raus. Es ist heiß dort, es gibt keinen Getränkeautomaten, nur heulende Kinder und die Tristesse eines 70er Jahre alten Flughafens mit vergilbtem Teppichboden.

Wenn es dann der Einreisebeamte geschafft hat, deine Papiere zu stempeln während er dich dabei komplett ignoriert, darfst du weiter zum Gepäckband, wo dein Koffer nicht mehr ist. Während du auf Stempel gewartet hast, hat dieser fleißig 40 Runden gedreht und wurde dann an den Rand geräumt, wo er mit anderen Koffern auf dich wartet. Manchmal wartet ein hartnäckiger Kofferträger neben deinem Koffer schon auf dich, der ihn dir dann zum Taxi tragen möchte, für weiteres bedrucktes Papier versteht sich. Du wimmelst ihn freundlich ab. Früher, so erzählt man sich, kam jeder von außen bis zum Kofferband rein und zahlreiche Koffer wurden um ihre Wertgegenstände erleichtert. Mittlerweile gibt es Absperrungen und so empfangen die mindestens 143 Fahrer die Touristen mit Zurufen nach dem diese durch das balinesische Zoll-Äquivalent durch sind. Vor der Absperrung auf der linken Seite ist ein kleiner Taxistand, der laut Internet faire Fahrten mit fixen Preisen vermittelt. Der ist aber so klein, dass er (wie in unserem Fall) leicht übersehen wird und man draußen einen der aufdringlichen Fahrer nehmen muss, bzw. kann. Wir sind zweimal den Weg zwischen Hotel und Flughafen zu Fuß gegangen. Nördlich vom Flughafen war das auch kein Problem. Zu Fuß in den Süden kommt man aber nicht ohne gefährliche Wanderungen an und über die 3,5-spurige, vollgestopfte „Autobahn“. Tut das nicht, srsly. Du nimmst also ein Taxi, verhandelst vorher freundlich mit dem Taxifahrer, der dich für nur 300% des eigentlichen Preises und garantiert ohne Taximeter zu deinem Zielort fährt. Damit du glaubst, es wäre ein fairer Preis, fährt er noch zwei bis drei Umwege auf vollgestopfte Straßen, die die eigentlich 20-minütige Fährt auf eine Stunde ausdehnen. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

2. Der Verkehr

Man liest ja überall, dass es in asiatische Ländern mehr Verkehr gibt, Verkehrsregeln im Allgemeinen auch nur der Form halber existieren und Staus normal sind. Bali ist hiervon nicht ausgenommen. Grund dafür, die Regierung subventioniert wohl Benzin, vermutlich um die Nachfrage nach einem funktionierenden öffentlichen Nahverkehrssystem nicht aufkommen zu lassen. Zumindest fehlt es an dem gefühlt gänzlich. Es gibt Bushaltestellen, ich habe aber weder jemanden dort warten, noch Busse fahren sehen.

3. Der Müll

Wie schon in einem älteren Artikel erwähnt, ist Bali’s Umgang mit Müll extrem destruktiv. Überall liegt Plastik, was morgens auf großen Bergen verbrannt wird oder direkt im Meer landet. Es stinkt, die Luft bleibt den ganzen Tag trüb. Überhaupt Plastik, alles ist aus Plastik, bunt, leuchtet. In anderen Berichten schreiben Urlauber, die es ins Wasser gewagt haben, dass dort von Nudelpackungen bis Benzinkanistern alles umherschwirrt und sogar Surfer immer mehr behindert.

4. Die Kultur

Außer schönen Stränden und Touri-Tanz Shows hat Bali kulturell tatsächlich weniger zu bieten als gedacht, zumindest haben wir nicht viel davon mitbekommen. Vielleicht waren wir an falschen Orten, aber ich bin mir relativ sicher, dass der Pauschaltourismus alte Traditionen auffrisst.

5. Die Touristenabzocke

Bali’s Hauptwirschaftszweig ist der Tourismus, schnelles Geld lockt hier auch Arbeiter von Nachbarinseln an, zumindest sagt man den Javanesen nach, dass sie besonders abgestumpft als Werk gehen. Insgesamt will ja auch jeder hier seinen Teil vom Kuchen abbekommen, sei es der Taxifahrer, der dir von jeder Straßenecke zuruft oder der Plastik-Souvenir-Verkäufer, der dich fast in seinen Laden zerrt. Im Grunde auch völlig fein für mich, dass man Geld zum Leben braucht. Was stört ist die Art wie man behandelt wird. Ich erwarte nicht, dass ich im Urlaub lächelnd mit rotem Teppich empfangen werde, während mein Rücken massiert und die Koffer von einer Entourage getragen werden, das kann ich alles selbst. Aber ich bin ein Mensch, gleich wie der Taxi-Fahrer oder der Souvenir-Verkäufer. Zu beiden bin ich immer freundlich, sage „Hallo“, „Vielen Dank“ und „Nein, danke“. Im Gegenzug erwarte ich ein minimal respektvoller Umgang mit mir als ebensolcher Mensch. Ich möchte nicht 250% mehr für Wasser bezahlen oder wie Vieh auf ein Boot getrieben werden.
Ach und sogar am Flughafen muss man neuerdings nicht nur die Visa-Gebühr bei der Einreise bezahlen, sondern auch eine unerklärliche Flughafengebühr bei der Ausreise. Wohin geht nur das ganze Geld? Zumindest ist das Wifi dort schnell, teilweise.

6. Die Australier

Ich war in meinem Leben nur 6 Stunden in Australien, am Flughafen. Ich kann kein Land pauschal beurteilen, aber die Australier, die nach Bali in den Urlaub fliegen gehen so gar nicht. Echt nicht. Das ist vermutlich ein ähnlicher Schlag wie die Deutschen, die am Ballermann den Eimer Sangria übern Kopf schütten. Die Mandys und Torbens Australiens quasi, nur mit mehr Surfboards und den „coolen“ Klamotten von Billabong. Besoffen auf den Roller steigen sie am Ende, schlafen den Rausch aus und fahren am nächsten Abend wieder in den Potatoe Head Club oder sonstwo in Seminyak. Warum muss man so ein schönes Land wie Australien (zumindest sieht es unfassbar schön aus, wenn man drüber fliegt) verlassen um in das verschmutzte Bali zu fliegen?

7. Die 10.000 anderen indonesischen Inseln

Indonesien ist riesig, es gibt so viele andere Ziele zu entdecken. Flores soll wunderschön sein und weiter Richtung Papua Neu Guinea soll es ruhiger, „ursprünglicher“ werden. Wir kommen vielleicht mal wieder nach Indonesien, Bali aber eher nicht.

8. Die Zukunft

Jedes Jahr kommen genauso viele Touristen nach Bali, wie es dort Einwohner gibt. Es gibt erschreckende Pläne die Visagebühren für Touristen aus Australien und Russland im nächsten Jahr komplett wegfallen zu lassen, um mehr Gäste aus diesen Ländern anzuziehen. Noch mehr. Man kann sich kaum ausmalen, wie es dann an den Stränden von Kuta, Seminyak und Echo Beach aussehen wird, wenn Australier gegen Russen um die Wette trinken um sich danach zu verprügeln (ja, immer schön alles in die Schublade packen, Steffi). Als nächstes schaffen sie vielleicht die Regenzeit ab, wer weiß …

Wir wollen ja irgendwie alle billig verreisen, billig essen, billigst neue Klamotten kaufen aber am Ende zahlen wir auch irgendwie einen Preis dafür…. Wir legen jetzt die Erfahrung ab, lernen daraus und fahren in Zukunft in andere Länder.

 

(Das Titelbild ist nicht besonders hübsch, es ist Müll auf dem Rollfeld. Man macht ja sonst auch immer nur Fotos von hübschen Motiven.)

 

Kategorie: Allgemein, Bali

von

- part-time unicorn on a trip - Veggie, Yogi und Schwabe. Auf der Suche nach Orten, Momenten und sich selbst. Lebt in München, wäre gern in Berlin.

5 Kommentare

  1. Madi sagt

    Uiiii
    Da Wunder ich mich doch schon sehr wieso mir die eine oder andere Person erzählt wie toll es auf Bali war. Entweder waren die dann wirklich nur in einem geilen Hotel (wenn es sowas dort gibt) und an einem schönen Strand oder sie haben etwas übertriebe.
    Euch noch eine schöne Zeit.

    • Früher war Bali sicher auch mal ein Paradies. Jetzt kann man das nicht mehr so wirklich sagen.
      Vielleicht ist es oben im Norden etwas besser, bzw. in den Regionen ohne Strand. Für viele ist Bali sicher immer noch eine Reise wert. Für uns hat es halt leider nicht ganz gepasst.

  2. Elisabeth sagt

    Hi, das ist ja unglaublich, was Ihr alles erlebt habt und mit welcher kreativen Detailgenauigkeit (grad meine Wortschöpfung) Ihr alles beschreiben könnt. Ich bin begeistert von Euren Berichten. Schade, daß Bali nicht das ist, was man gemeinhin so denkt…. Es kommt immer drauf an, wo der Fokus liegt.
    Ich würde ins Landesinnere reisen, hab ich gehört. Nun seid Ihr ja vermutlich komplett, wenn der Flieger von Frankfurt aus keine Verspätung hatte.
    Ich wünsche, daß Ihr Euren Urlaub so gestalten könnt, daß es Euch allen Spaß macht.
    Geht mal auf diesen Link – da gibts doch noch was ANDERES.
    http://www.blackdotswhitespots.com/2012/11/26/5-dinge-die-man-auf-bali-tun-kann-ausser-surfen-und-selbstfindung/
    Schönen Urlaub, schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr
    wünscht Euch allen Elisabeth

  3. Michael sagt

    Witzig wie sich die Eindrücke unterscheiden können – für uns war Bali/Gili echt ein Traumurlaub. Klar, das Müllproblem besteht – kenne ich aber aus anderen asiatischen Ländern (Thailand, Kambodscha, Vietnam) leider nicht anders.

    Wir hatten wohl einfach größtenteils Glück mit den Unterkünften und haben vorab ganz Schreckliches von Kuta erwartet – was dann doch nicht sooo schlimm war – jedenfalls für 2 Nächte.
    Aber NZ ist nach euren Geschichten auf jeden Fall noch ein Stückchen höher auf der Wishlist gestiegen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.