Bali
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Wir können hier nicht halten, hier ist Affenland

Affe am chillen

[nerdcel]: Raus aus unserem idyllischen Wohlfühlort Gili, rein in den hektischen Alltag auf Bali. Dort, wo Touristen als laufende Geldbeutel gesehen und mit einer äußerst ausgefallen Technik mürbe gemacht werden. Es gilt seinem ins Visier genommenen Opfer immer und immer wieder die gleiche Frage zu stellen, um in einem Moment der Schwäche zuzuschlagen. Hier ein paar Regeln, die mir bisher aufgefallen sind.

Reisfeld in Ubud

Regel Nr. 1: Stelle dich am Ausgang eines Transportmittels, sei es Taxi, Boot oder Flugzeug, direkt vor den Ausgang/Tür und biete deinen Service an während du demonstrativ den Weg versperrst. Nimm am Besten deine ganzen Freunde mit und akzeptiere nur ein „Ja“ als Antwort, sonst nichts.

Zwei Affen in der Hitze

Regel Nr. 2: Um deine Ware an den Mann zu bringen, frage so lange nach ob Bedarf an deinen Diensten besteht, bis dein Opfer aus den Ohren blutet oder so viel Mittleid erzeugt wurde, dass deine Ware schließlich gekauft wird. Schrecke dabei nicht zurück in fremde Autos zu steigen oder so lange an die Scheibe zu klopfen, bis die volle Aufmerksamkeit auf dich gerichtet ist.

Einsame Palme in Ubud

Regel Nr. 3: Setze deine Kundschaft immer dort ab, wo ein befreundetes Unternehmen sofort mit der Kundenbetreuung weitermachen kann. Vergiss nicht über Los zu gehen und sacke deine wohlverdiente Provision ein.

Reisfeld in Ubud

Ok, das klingt jetzt vielleicht alles etwas überzogen und gemein, aber nach einer Woche Tiefentspannung auf unserer kleinen Trauminsel, bin ich leider schon wieder ein bisschen genervt. Aber nur ein bisschen. Eddie, der balinesische Ehemann von unserer Gastmutter Sarah meinte bei unserem letzten Aufenthalt, dass all die „Abzocker“ keine echten Balinesen seien, sondern von Java kommen, da hier das große Geld mit den Touris vermutet wird.

Aber jetzt auch mal was positives. Hier in Ubud ist es sensationell. Es ist eine tolle Stadt mit netten Restaurants, hippen Cafés und schönen Boutiquen. Organic scheint hier total der Renner zu sein und lässt sich mühelos an jeder Ecke finden. Ähnlich wie in Williamsburg, NY.

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Und wenn man ein bisschen mehr Natur und Tempel oder Reisfelder sehen möchte, schlendert man einfach ein paar 100 Meter aus der Stadt hinaus und schaltet ab. Für etwas mehr Action sorgt dann wiederum der Affenwald. Freche Biester, die nur auf eins aus sind: FUTTAAA! Und wenn das vermeintliche Futter wie ein iPhone aussieht, egal. Reinbeißen, mitnehmen und wo anders gegen Futter eintauschen. Sehr clever.

Alleingelassener Affe

Wir trinken jetzt erstmal unseren „cold brew“ und verspeisen genüsslich unseren vegan brownie … nomnom

[frauhecht:] Wir haben die Speedboat-Fahrt überlebt! Sarah hatte uns ja in Sanur ein günstigeres Ticket nach Gili Air organisiert. Die Hinfahrt lief mit dezenter Verspätung einwandfrei. In einer schlaflosen Nacht beging ich aber den großen Fehler, die Schiffsgesellschaft zu googlen. Da kann man stundenlang Horrorgeschichten zu Marina Srikandi lesen, die weit über unfreundlichem Personal hinausgehen. Ich hab mich schon im Meer treiben sehen, stieg entsprechend nervös in das Boot, suchte eine Platz nahe dem Exit und betete zur Sicherheit zu allen Göttern die mir einfielen.

Marina Srikandi speedboat von innen

Zu meiner Verwunderung kamen wir 90 Minuten später heil in Padangbai an, wurden sicher und zentral in Ubud abgeliefert und gingen zu Fuß zum Hotel, wo wir stattdessen leichte Startschwierigkeiten hatten. Dort wartete leider erstmal niemand auf uns außer dem nächsten Highlight auf unserer Besichtigungs-Tour „Balis schönste Baustellen in der Nebensaison“. Diesmal ein Pool, dessen Bauarbeiten wir dann bis zu Ankunft des Besitzers ausgiebig beobachten konnten.

Tanah Semujan Ubud

Was man vielleicht auch mal erwähnen muss ist, dass wir bevor wir uns für ein Hotel entscheiden, so lange recherchieren, bis wir alle Hotels vor Ort kennen, diese verglichen, jede Bewertung gelesen und die Distanzen zu den wichtigsten Attraktionen gecheckt haben. Zumindest fühlt es sich so an. Ich hab noch nie Pauschalurlaub gemacht, kann aber langsam Leute verstehen, die das tun. Damit bleibt vermutlich irgendwie mehr Zeit vom Tag, mehr Zeit für sich, mehr Zeit zum Runterkommen, mehr Zeit. Wir verbringen im Moment fast den ganzen Vormittag damit parallel Hotels und Transport hier auf Bali, die Reiseroute für Neuseeland, Flüge und Aufenthalt in Singapur und Familientrip nach Thailand zu planen. Dabei bleibt dann nicht viel über für den aktuellen Ort und die grausame Internetverbindung tut ihr Übriges dazu. Bilder auf den Blog zu laden macht damit auch stellenweise aggressiv. Beide Themen führen dazu, dass mein Stresslevel auf einem Seismographen bis zu einer guten 7.0 ausschlagen würde.

 

Ubud allerdings bringt einen ganz schnell wieder runter und ich kann nicht mal genau sagen warum. Es gibt noch mehr „Taksi“-Rufe aus allen Ecken, der Verkehr auf den Hauptstraßen ist grausam, die Verkäufer sind aufdringlich, sobald man aber in eine Nebenstraße  einbiegt wird alles ruhiger. Im Hintergrund plätschert immer Wasser, sei es von den Flüssen zwischen den Straßen oder dem Bewässerungssystem der Reisterrassen. Hübsch ist es hier irgendwie. Ubud ist eine reiche Stadt mit großen Tempeln, Kultur, Kunst und dank Räucherstäbchen riecht es überal gutl.

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Ganesha

Da Marcel unbedingt Äffchen sehen wollte, sind wir überhaupt hergekommen. Ubud hat diesen Affenwald für Touris. Unser Hotelbesitzer hat vor 30 Jahren dort Erdnüsse verkauft, damals kamen nur 10 Leute pro Tag, heute sind es über 10.000 im Monat. Und auch hier kann man im Internet unschöne Erlebnisse nachlesen. Bisse sind wohl nicht selten und auf dem Gelände gibt es deshalb auch extra eine Notfall-Station. Nach der Recherche stellen wir uns den Besuch dann so vor wie auf der modernen Wandmalerei im folgenden Bild:

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„Nehmt einfach nichts mit, was aussieht als wäre Essen drin, wie Plastiktüten oder so“, empfiehlt uns unser Gastgeber. Wir lassen entsprechend die Jutebeutel daheim und gehen mit gut verschlossenem Rucksack los, lassen ein paar Makaken vor der Kamera posieren und sind nach gut einer Stunde wieder draußen. Zum Monkey Forrest kann man nicht viel mehr sagen, die Bilder unten können das besser. Das hört sich jetzt auch negativer an als es ist. Es war toll und ihr müsst da auch hin. Besser.


Danach gehen wir mutig einen Pfad entlang der Reisfelder und sehen überraschenderweise keine Schlange. Auch sonst treffen wir keine Kobra im Badezimmer, keine grüne Viper im Affenwald wie meine Recherchen im Internet vorab prophezeit haben. Das einzige was in Ubud an Schlangen erinnert sind meine Beine. Die häuten sich seit Tagen. Schlangen häuten sich wenn sie wachsen, ich glaube das ist bei mir nicht der Fall. Kommt wohl davon, dass sich die Käsehaut beim Einkaufen dachte „ach LSF 30 langt gut“. Dass Bali nahe dem Äquator liegt, die Sonneneinstrahlung damit stärker ist und Bleichgesichter hier Maximalschutz brauchen, hat das Internet vorher nicht erzählt. Man hätte auch auf den gesunden Menschenverstand zurückgreifen können, aber der Konjunktiv ist wie gesagt generell ein schlechter Reisebegleiter…

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Was das Beste an Ubud ist? Das Essen! Nach zwei Wochen mit Reis oder Nudeln, gibt es hier endlich wieder Salat, Gemüse, Green Smoothies, sonstiges raw und organic Futter aus dem eigenen Garten, lokal, regional, nachhaltig. In manchen Restaurants bekommt man Trinkhalme nur auf Nachfrage, in anderen steckt ein Stück hohler Ast im Getränk. Das ist eine schöne Entwicklung hier. Bis vor ein paar Jahrzehnten haben die Balinesen noch von Bananenblättern gegessen und sie danach einfach weggeworfen. Die Blätter und viel mehr wurde gegen Plastik getauscht, die Entsorgungsart blieb die gleiche. So wartet nun beispielsweise beim Blick über eine Brücke in den Flusslauf keine idyllische Natur auf einen, sondern große Müllberge am Ufer. In Ubud haben wir zum ersten Mal gesehen, dass Müll überhaupt ernsthaft gesammelt und streckenweise getrennt wird und es gibt viel weniger Müllfeuer als in Canggu.
Zum Essen auf Bali gibt es nächste Woche einen separaten super spannenden Artikel, vielleicht. Wir müssen jetzt schlafen, morgen geht es nach Lembongan. Mit dem Speedboat. Unser Gastgeber hat das organisiert. Ich hab es gegooglet.

 

12 Kommentare

  1. Stefanie Kerstin von und zu Schluckspecht sagt

    ;-) Hallo ihr 2,

    mal wieder muss ich stark grinsen wenn ich euren neusten Beitrag lese. Das erste was ich sagen möchte: STEFFI HÖR AUF ZU GOOGELN – das ist ja schon krankhaft +lach+ Alles wird gut werden, versprochen, wir haben soviele Schutzengel mitgeschickt die einen 1A Abschluss im Freunde beschützen haben :-)

    Ich drück euch, KNUDDL KNUTSCH!
    Kotzi

  2. Franky sagt

    Geile Fotos!! Weiter so und hört auf euch aufzuregen. Entspannt euch und geniesst die Freiheit! :) Life is good!

      • Franky sagt

        Das beruhigt mich! Ich hatte schon Angst, ihr seid noch im Deutschland-Nörgel-Modus :)

        PS: Die Affenfotos sind der Hammer :D

  3. Madi sagt

    Wieso wurde mein Text unterbrochen?
    Also: ich gebe den beiden vor“Schreibern“ recht … Weniger goooooogeln usw.
    Aber was noch wichtiger ist, zu welcher Affenfamilie gehört denn der auf dem vorletzten Bild. Käseaffe mit rotbart. Auf jeden Fall eine besondere Spezies würde ich sagen.

    • Madi sagt

      PS: wenn ihr auf der Reise nur halb so viel Spaß habt wie wir beim durchlesen des Blogs, dann muss es euch sehr gut gehen. Genießt es und bleibt locker.

    • Das ist ein sehr hochentwickelter Affe der in seinem roten Bart essen vestecken kann. Ja, jetzt bist du neidisch, gell

  4. Timm sagt

    Yeah. Sehr schöne Bilder und wie immer lustig zu lesen :) Aber hört auf immer wieder über „Touristenabzocke“ zu jammern ;) So was will ich als Kunde hier nicht lesen. Ich will schöne Geschichten hören.

    • Kunde impliziert ja dass du uns Geld zahlst, oder?
      Ja, ich hab auch das gefühl, dass wir uns zu sehr „beschweren“. Hier ist es wirklich absolut traumhaft

      • Timm sagt

        Ich würde für eure Berichte natürlich auch harte Euros zahlen :) solange hier keine Bankverbindung ist „zahle“ ich mit ungeteilter Aufmerksamkeit und Zuneigung. Ärgert euch nicht zu sehr über die übliche Abzocke.

  5. Jana sagt

    Steffi! Google ruhig weiter, umso schöner ist es doch, wenn nichts (oder fast nichts) von deinen Befürchtungen eintritt^^… Ich hoffe die Affen waren nicht ganz so brutal, war auch schon in einem Affenwald und fand das irgendwie hinterher nicht mehr so toll :D und das Essen sieht echt grandios aus! Genießt es ich bin mir nicht sicher, ob es sowas leckeres in Neuseeland auch gibt.^^

  6. Daniel sagt

    Affe und roter Bart hahahahhahaha. Ihr liefert aber auch immer perfekte Vorlagen hahahahaha

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